Gute Gefühle? - Schlechte Gefühle?

Veröffentlicht am 28. Februar 2026 um 16:08

Warum wir Gefühle bewerten

 

An allen Entscheidungen des Lebens sind Gefühle beteiligt, ja, sogar ausschlaggebend.

Sätze wie: „Ich habe ein gutes Gefühl dabei.“ , oder das berühmte „Bauchgefühl“ drücken das aus.

 

Die Fähigkeit zu fühlen ist in uns von Grund auf angelegt. Sie ist vor allem in den ersten Monaten/ Jahren, in denen wir erst lernen müssen zu sprechen die Basis für Kommunikation.

Unsere Gefühle durch weinen, lachen oder schreien mitzuteilen sind sozusagen die erste nonverbale Sprache und sichert uns als kleines Baby unser Überleben.

Sie wecken in unseren Mitmenschen das Bedürfnis sich zuzuwenden, sich zu kümmern.

 

Grundgefühle

 

Es gibt vier Grundgefühle:

Freude, Wut, Angst, Trauer

 

Alle anderen, wie Neid, Frust, Stolz, Aufregung usw. sind Abstufungen oder eine Mischung daraus.

 

Wir bewerten Gefühle

 

Im Laufe unseres Lebens lernen wir erst durch unsere engsten Bezugspersonen, dann durch das weitere soziale Umfeld unsere Gefühle zu benennen, auszudrücken und zu regulieren.

Von unseren Vorbildern übernehmen wir den (erwünschten gesellschaftlichen) Umgang damit, und auch, welche Bedeutung wir ihnen geben. Heißt: wie wir sie bewerten.

 

Gute Gefühle – schlechte Gefühle?

 

Wir teilen unsere Gefühle in gut oder schlecht, unerwünscht oder erwünscht ein.

Gefühle wie Freude oder Mut erleben wir als positiv und  fühlen uns sicher im Umgang damit.

Mit unangenehmen Gefühlen sieht das schon anders aus. Allen voran die Wut. 

 

Das hängt sehr damit zusammen, wie wir als Kinder/ Jugendliche mit unserer Wut/ Angst… angenommen wurden.

Durften wir wütend sein?

Erlauben wir sie uns heute als Erwachsene oder „schlucken“ sie hinunter, bis sie zur kalten Wut oder Jähzorn wird, der sich ohne Grund explosionsartig entlädt?

 

Die Botschaft hinter den Gefühlen

 

Gefühle haben alle eine Botschaft.

Wenn wir diese kennen und verstehen, fällt es uns leichter mit ihnen umzugehen.

 

So zeigt uns Wut z.B. das etwas nicht in Ordnung ist für uns. Eine Grenze wurde verletzt usw.

Die Energie, die in der Wut steckt, hilft uns dabei, unsere Grenzen zu wahren, für uns einzutreten, uns zu verteidigen und zu schützen.

 

Angst: Angst ist wichtig um Gefahren zu erkennen und zu vermeiden. 

Übermäßig stark ängstlichen Menschen hilft es, sich ihrer Fähigkeit wütend zu sein bewusst zu werden und diese in gesundem  Maße leben zu lernen. Die Energie der Wut/ Aggression kann genutzt werden den eigenen Platz im Leben besser einzunehmen und sich den Herausforderungen des Lebens mutiger zu stellen.

Erlaube ich mir aggressiv zu sein?

 

Freude: sie zeigt uns, was uns glücklich macht. Das ist vor allem auch eine wichtige Ressource in Zeiten, in denen es uns nicht so gut geht. Wenn wir wissen ,was uns guttut und es uns erlauben, dann können wir in belastenden Zeiten darauf zugreifen.

Ebenfalls zur Freude gehört auch die Freude daran, etwas geschafft zu haben, Stolz zu sein.

Erlauben wir uns stolz auf uns/ auf unsere Leistung zu sein? Oder haben wir Glaubenssätze in uns, die uns das verbieten? „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Oder: „Bescheidenheit ist eine Zier.“ …

Noch in meiner Generation und auf jeden Fall in die meiner Eltern wurde Stolz eher als negativ bewertet und sogar regelrecht aberzogen. Probieren Sie es doch einmal aus und sagen sich bei einer erfolgreichen Situation:

„Das ist mir gut gelungen und ich bin stolz darauf.“ -  Wie ist das?

 

Traurigkeit

Die Traurigkeit zeigt uns, wer oder was uns wichtig ist. 

Ich bin traurig und vermisse meinen Mann, wenn er für einige Zeit auf Geschäftsreise ist.

Traurigkeit zu spüren ist sehr wichtig, weil sie uns die Möglichkeit gibt, wen und was wir haben/ hatten (wieder mehr) zu schätzen.

 

Grundsätzlich gibt es also kein gutes oder schlechtes Gefühl, denn alle Gefühle sind wichtig. Sie sind ein wichtiger Wegweiser für unser Wohlbefinden.

Wenn der Zugang zu Gefühlen erschwert oder blockiert ist, dann hat das meist etwas mit unserer eigenen Geschichte zu tun.

 

Den Umgang mit unseren Gefühlen müssen wir erst lernen 

 

Durch hilfreiche Erwachsene. 

Sie:

 

1. erlauben dem Kind alle Gefühle und nehmen es bedingungslos an

2. helfen ihm die Gefühle in Worte zu fassen 

3. setzen klare Grenzen bei Wut: Sie muss Grenzen haben und gesteuert werden (es darf nichts kaputt gemacht und niemand

    verletzt werden)

4. bleiben gelassen und sind selbst ein gutes Vorbild im Umgang mit ihren Gefühlen,

    d.h. sie verstecken die eigenen Gefühle nicht und erklären sie kindgerecht.

 

Was habe ich als Kind erlebt?

Was/ Wer hat mich geprägt im Umgang mit meinen Gefühlen (bis heute)?

Was hätte ich gebraucht damals - und was brauche ich heute um meine Gefühle zu leben?

Was befürchte ich vielleicht, wenn ich sie zeige/ lebe?

 

Sich diese Fragen zu stellen ist sehr hilfreich, wenn ich selbst  mit Gefühlen, die andere zeigen (mein/e Partner/in, meine Kinder, Eltern, Freunde usw.) schlecht umgehen kann oder zu bestimmten Gefühlen keinen Zugang habe.

 


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